James Baldwin: Beale Street Blues

BluesWas für ein großartiger Roman! Bis dahin hatte ich noch nichts von James Baldwin gelesen. Das wird sich jetzt aber ändern. Er war ein excellenter Schriftsteller, der das menschliche Wesen gut verstanden und gut darzustellen wusste. Und das nicht nur an der Oberfläche.

Die Überschrift konnte passender nicht gewählt werden. Diese Stimmung, dieser Blues ist auch auf mich übergegangen. Eigentlich ein Roman, der voll unterschiedlicher Menschen und Charaktere eigentlich schimmert, dem sich durch die Erzählweise ein Hauch von Patina überlegt, der das ganz zu einem Kunstwerk wie aus anderer Zeit macht. Baldwin hätte meiner Meinung nach auch Maler oder Fotograf werden können, weil er eine sehr klare und trotzdem gerade zärtliche Sichtweise hat.  Und er versteht wegzulassen, was überflüssig ist. Wegzulassen ist vielleicht nicht ganz das richtige Wort, Offen zu lassen trifft es wohl eher.

Wer Blues mag, wird auch diesen Roman lieben. Ich war richtig verwirrt, als ich nach der Lektüre merkte, dass ich mich im nüchternen Deutschland befand und nicht in New Orleans.

 

ISBN 978-3-423.28987-0

Mehr Infos zum Buch gibt es auf der Homepage des Verlages DTV.

Inhalt:

»Jeder in Amerika geborene Schwarze ist in der Beale Street geboren. Die Beale Street ist unser Erbe. Dieser Roman handelt von der Unmöglichkeit und von der Möglichkeit, von der absoluten Notwendigkeit, diesem Erbe Ausdruck zu geben. Die Beale Street ist eine laute Straße. Es bleibt dem Leser überlassen, aus dem Schlagen der Trommeln den Sinn herauszuhören.« James Baldwin

Dies ist die Geschichte von Tish und Fonny, 19 und 22, und ihrem Kampf gegen die Willkür einer weißen Justiz. Der traurig-schöne Song einer jungen Liebe, voller Wut und doch voller Hoffnung. Ist das Gefängnissystem die Fortsetzung der Sklaverei unter anderen Vorzeichen? Beale Street Blues von James Baldwin strahlt grell in unsere Gegenwart.