Robert MacFarlane: Im Unterland

UnterlandDieses Buch war in der letzten Zeit meine Abendlektüre. Und es hat mich bis in meine Träume begleitet. Unterland – ein Tema mit dem man sich noch nicht allzu oft beschäftigt hat. Unterland wird schnell mit Unterwelt gleichgesetzt. Düster, dunkel, geheimnisvoll und furchteinflössend. Unter der Erde bestatten wir in unserem Kulturkreis unsere Toten – vielleicht ist es auch deshalb ein wenig tabubehaftet.

Robert MacFalane hat eine überraschend gute Art zu schreiben. Teils sehr sachlich, dann auch wieder schon fast poetisch. Auf jeden Fall ganz wunderbar. Naturbeschreibungen habe ich schon viele gelesen, so schöne bisher aber noch nie.

Der Autor lädt uns ein verschiedene Welten zu entdecken. Freiwillig würde ich die meisten Reisen nicht unbedingt mitmachen, weil ich eben noch immer mit alten Vorstellungen behaftet bin. Allein der Gedanke daran… Gleichzeitig auch wieder faszinierend. Nun ja, die Vorstellung in irgendeinem Schacht stecken zu bleiben, dann auch wieder nicht wirklich.

In Katakomben, in Höhlen und in der Gletscherwelt Grönlands.. Viele wunderbare, faszinierende Beschreibungen.

Ein wertvolles, unbedingt lesenswertes Buch.

 

ISBN 978-3-328-60113-5

Mehr Infos zum Buch gibt es auf der Homepage von RANDOMHOUSE.

 

Inhalt:

In einer großartigen Entdeckungsreise nimmt uns der vielfach ausgezeichnete britische Autor Robert Macfarlane mit in die dunkle, überraschende Welt unter der Erde. Er führt uns in Höhlenlandschaften in England und Slowenien, zu einem unterirdischen Fluss in Italien, in den Untergrund von Paris, die schwindende Gletscherwelt Grönlands und, zuletzt, in einen Stollen für Atomabfälle, der die nächsten 100.000 Jahre überdauern soll. Sein Buch ist viel mehr als eine fantastische Natur- und Landschaftsgeschichte: Eindringlich schildert er das Wechselspiel zwischen Mensch, Natur und Landschaft – nicht zuletzt als Mahnung, was wir durch unsere Eingriffe zu verlieren drohen.

Peter Wohlleben: Das geheime Band zwischen Mensch und Natur

das geheime BandNatürlich habe ich „Das geheime Leben der Bäume“ gelesen. Ein wunderbares Buch, das aufmerken lässt. Ganz Erstaunliches hat er uns „Manchmal-in-den-Wald-Gehern“ da offenbar. Und natürlich war ich auch auf sein neueste Werk, das ich gerade in den Händen halte, ganz gespannt.

Peter Wohlleben ist mehr als nur ein Förster. Das wird mir spätestens bei der Lektüre dieses Buches klar. Er ist einer, der auch über den Tellerrand hinausschaut. So vieles Wissenwertes gibt er wieder weiter, dass ich wirklich total erstaunt bin. Er ist – auch wenn ihn manche schon mal in diese Ecke schieben würden – kein Esoteriker.  Er ist jemand, der hinterfragt, der Dinge ganz genau wissen möchte. Jemand, der verstanden hat, wie alles kommuniziert. Dabei hat er sich bei den Biochemikern, Biologen, aber auch den Physikern umgehört, die ebenfalls wissen – und neuerdings auch offen zugeben bzw. erklären – wie alles zusammengehört. Welche Rolle auch der Mensch dabei spielt. Es macht richtig Spaß, von Peter Wohlleben zu lernen. Ich habe das Buch in kleineren Dosen genossen, weil so viel Wissen zwischendurch immer wieder erst mal sacken muss.

Ein wunderbares, wissensreiches Buch, das ich jedem, der nicht nur unterhalten werden will, ans Herz legen kann.

ISBN: 978-3-453-28095-3

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Inhalt:

Wie sehr sind wir überhaupt noch mit der Natur verbunden? Peter Wohlleben ist überzeugt: Das Band zwischen Mensch und Natur ist bis heute stark und intakt, auch wenn wir uns dessen nicht immer bewusst sind: Unser Blutdruck normalisiert sich in der Umgebung von Bäumen, die Farbe Grün beruhigt uns, der Wald schärft unsere Sinne, er lehrt uns zu riechen, hören, fühlen und zu sehen. Umgekehrt reagieren aber auch Pflanzen positiv auf menschliche Berührung. Anhand neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse und seiner eigenen jahrzehntelangen Beobachtungen öffnet uns Peter Wohlleben die Augen für das verborgene Zusammenspiel von Mensch und Natur. Er entführt uns in einen wunderbaren Kosmos, in dem der Mensch nicht als überlegenes Wesen erscheint, sondern als ein Teil der Natur wie jede Pflanze, jedes Tier. Und er macht uns bewusst, dass es in unserem ureigenen Interesse ist, dieses wertvolle Gut zu bewahren.

Moritz Schmid: Into the Woods

woodsDieses Pilzbuch ist nahezu perfekt. Der Autor hat tatsächlich an alles gedacht. Es gibt wunderschöne Fotos der Pilzsammler und ihre Geschichten, die Pilze werden groß abgelichtet und sind daher leichter zu finden und dazu tolle Pilzrezepte und viel Wissenswertes.

Die Einstellung der jungen Leute zum Wald und zu Pilzen ist leicht unterschiedlich und das ist gut so. Die Bedeutung, die die einzelnen diesen Wesen zumessen ist sehr interessant, man erfährt wirklich so einiges. Was mir schon seit einigen Tagen im Kopf herumgeht: Auf einem Kubikcentimeter Waldboden gibt es mehrere Kilometer Pilzfäden! Erstaunlich. Erst in den letzten Jahren haben wir ja tatsächlich erst richtig erfahren, welche Bedeutung Pilze eigentlich haben,  wie sie als Informationsträger fungieren.

Die Sichtweisen der einzelnen Menschen sind gleichzeitig nüchtern und spirituell. Sie haben da für mich die richtige Mischung gefunden.

Bei den Pilzarten habe ich die „Krause Glucke“ zu meinem Lieblingsbild erkoren. Und zwar weil ich da beim Sammeln nicht viel falsch machen kann. Ich muss mir nur einen Kieferwald suchen – wird schwierig im fichtenreichen Sauerland.

Ich habe dieses Sachbuch mit Genuss gelesen. Sehr schön, sehr modern, unglaublich ansprechend.

 

 

ISBN: 978-3-7913-8559-4

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Inhalt:

Pilze sammeln – die perfekte Kombination aus Naturglück, Entschleunigung und Food.

Der Waldausflug auf der Suche nach den besten Speisepilzen ist längst nicht mehr nur das Hobby naturverbundener Ruheständler. Seit die digitale Welt allgegenwärtig ist und die Menschheit sich zunehmend urbanisiert, wächst als Gegenbewegung der Wunsch nach analogen und vor allem naturnahen Freiräumen. Damit verbunden ist die Rückbesinnung auf einfache, meditative Tätigkeiten wie Gärtnern, Kochen, Handarbeiten, Wandern – und Pilze sammeln.

Dabei geht es nicht nur um Kennerschaft bei Pilzsorten, sondern um alles, was mit dem Sammeln verbunden wird: Das Glücklichsein im Wald, die Ruhe, das Wählen einer guten Route, die notwendige Ausrüstung, das Gespür für den richtigen Zeitpunkt und nicht zuletzt die Zubereitung und der Genuss der Pilze.

Mit atmosphärischen Aufnahmen, guten Texten und kreativen Rezepten vermittelt „Into the Woods“ das besondere und einzigartige Erlebnis, für das Pilze sammeln steht und das es so spannend für eine junge, naturverbundene Generation von Pilzsammlern macht.

Emylia Hall: Winter meines Herzens

winterAm Anfang erinnerte mich Emylia Hall durch ihren Schreibstil ein wenig an Hermann Hesse. Das heißt für mich: Ich habe mich mit diesem Buch sofort wohlgefühlt.

Emylia Hall hat eine sehr anschauliche Art, die Landschaft und die Umgebung zu beschreiben. Lausanne muss eine sehr schöne und interessante Stadt sein, schon bei der Lektüre bekam ich Lust, auch einmal dorthin zu reisen.

Die Geschichte selber hat mich auch sehr aufgewühlt. Der Schicksalsschlag, der Hadley weckte auch in mir viele Emotionen. Aber genau das mag ich an solchen Geschichten, an dieser Art zu schreiben. Fröhlichkeit, Traurigkeit, Melancholie und Feinsinniges.

Ich habe mich von der ersten Seite an sehr gut unterhalten gefühlt und kann dieses Buch nur unbedingt weiterempfehlen. Ein toller Schmöker, den man gar nicht mehr aus der Hand legen mag.

 

ISBN: 978-3-442-71484-1

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Inhalt:

Hadley Dunns Leben könnte nicht normaler verlaufen – Familie, Uni, Freunde. Bisher keine große Liebe, dafür aber auch kein großer Schmerz. Bis sie beschließt für ein Auslandssemester in die Schweiz zu gehen. Nach Lausanne am Genfer See. Ein Ort, der voller Magie ist, der erfüllt von Versprechungen scheint. Hier beginnt Hadley eine leidenschaftliche Beziehung zu einem Mann. Hier lernt sie Kristina kennen und findet in ihr die beste Freundin, die sie jemals hatte. Doch dann ereignet sich in einer dunklen Winternacht – der erste Schnee ist gerade gefallen – eine Tragödie. Und was als sorgenfreies Abenteuer begann, entwickelt sich zu einem Alptraum

Lydia Netzer: Das Leuchten des Mondes

ondWie unterschiedlich wir doch nur zum Beispiel eben das Leuchten des Mondes sehen. Als ich den Titel las, habe ich mir zunächst eine sehr romantische, sehr verträumte Story vorgestellt. Auf jeden Fall waren meine Vorstellungen so ganz anders als das, was dann auf mich zukam.

Die Geschichte von Lydia Netzer hat etwas Besonderes. Ganz einfach schon durch ihre Protagonisten. Menschen, die anders sind als der Durchschnitt. Das ist bei dem jungen Paar so, genau wie bei derem autistischen Kind und bei der Mutter mit ihrer aufrechten Haltung. Außergewöhnlich durch ihre Lebenseinstellung und auch außergewöhnlich durch ihr Äußeres. Aber das macht auch diese Geschichte aus. Sie ist so ganz und gar nicht vorhersehbar. Aber genau das gibt der Story den Pfiff.

Diese außergewöhnliche Liebesgeschichte ist manchmal lustig, manchmal sehr ernsthaft, aber nie oberflächlich. Gewürzt wird sie noch – und das hatte mir sehr gut gefallen – durch die gelegentliche Kommunikation der beiden über ihre eigene mathematische Sprache.

 

ISBN: 978-3-442-71483-4

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Inhalt:

Als Maxon Sunny zum ersten Mal traf, war er sieben Jahre, vier Monate und achtzehn Tage oder – in seinen Worten – 2693 Erdumdrehungen alt. Maxon war anders. Zusammen waren sie anders. Und auch heute noch, zwanzig Jahre später, führen die beiden keine gewöhnliche Ehe. Maxon ist Astronaut geworden. Während er zwischen Himmel und Erde schwebt, versucht Sunny in der idyllischen Kleinstadt in Virginia die Fäden der kleinen Familie zusammenzuhalten. Alles geht gut, bis zu dem Tag, als sie einen Autounfall hat. Obwohl harmlos, löst er eine Lawine in Sunnys Leben aus. Da ist ihr kleiner autistischer Sohn, um den sie sich sorgt. Da ist ihre schwerkranke Mutter, um die sie sich kümmert. Da sind ihre eigenen Wünsche, die sie bislang immer unterdrückt hat. Und wie immer ist Maxon nicht zur Stelle, um sie zu unterstützen. Schlimmer noch: Auf dem Weg ins All, passiert etwas Unvorhergesehenes …

Hermann Hesse: Eine Stunde hinter Mitternacht

hesseOffen gestanden, hätte ich den Schriftsteller nicht erkannt, wenn der im Titel nicht groß angegeben wäre. Ich bin begeisterte Hesse-Leserin, mag seine Art zu schreiben grundsätzlich.

Dieses Buch steht für einen jungen Hermann Hesse. Schwärmerisch-märchenhaft-traumähnlich werden die Szenen in der Inhaltsangabe beschrieben. Seine späteren Text wirken auf mich auch sehr poetisch, aber viel reifer. Eine Reife, die ich sehr schätze.

Man muss also erst einmal wegkommen von seinen alten Vorstellungen. Dann ist es aber interessant die Entwicklung zu betrachten. Das Romantische an diesem Werk ist typisch für diese Zeit und auch Hesse hatte sich zunächst dran probiert. Welch ein Glück,  dass er einen Mann wie Diederichs getroffen hat. Oder besser gesagt, seine Braut, die fest an das Talent Hesses geglaubt hat und ihren Mann auch eben von dessen literarischem Können überzeugt hat.

Sehr interessant, einmal die Anfänge Hesses als Schriftsteller kennenzulernen.

Verlag: Diederichs

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Inhalt:

In Eugen Diederichs fand der junge Hermann Hesse Ende des 19. Jahrhunderts einen Verleger, der bereit war, sein erstes Buch zu veröffentlichen. Dabei handelt es sich um eine Sammlung von neun kleinen Prosadichtungen, in denen er beeinflusst vom neuromantischen Trend schwärmerisch märchenhafte und traumähnliche Szenerien beschreibt.

Vor Erscheinen schrieb Diederichs an Hesse: „Also, wenn ich offen gesagt, wenig Glauben an den geschäftlichen Erfolg des Buches habe, so habe ich doch desto mehr Überzeugung von seinem literarischen Wert.“

Für den am Schriftsteller interessierten Leser ist dieses Büchlein ein Beispiel seines frühen Schaffens.

Francis Fukuyama: Identität

fukuyEin Buch, das unglaublich viel Informationen bietet. Dass Zusammenhänge erklärt.

Francis Fukuyama erklärt dem Leser die ganz großen Zusammenhänge, macht deutlich, wie Trump Präsident werden konnte, was Putin antreibt oder auch was die Initialzündung für einen Osama bin Laden war. Wie Entwicklungen voranschreiten.

Aber nicht nur „oben“ gibt es eine nationale Ausrichtung. Man kann an manchen Stellen anderer Meinung sein als der Autor. Auf jeden Fall ist es Zeit, die eigene politische Gesinnung einmal zu überprüfen.

Identität kann zur Spaltung, aber auch zur Einigung benutzt werden – dieser letzte Satz geht mir nach. Was möchte ich eigentlich? Möchte ich ein Deutschland, in dem es überwiegend Deutsche gibt, in dem die deutsche Kultur dominant ist – im positiven wie im negativen Sinne. Möchte ich ein multikulturelles Deutschland, in dem die unterschiedlichsten Kulturen sich austauschen und friedlich miteinander leben? Oder habe ich Angst vor Überfremdung, dass meine Nachkommen als Deutsche irgendwann in der Minderheit sind, im eigenen Land? Habe ich Angst, dass ich die deutsche Kultur nicht mehr offen leben kann, weil andere Kultur die teilweise Offenheit ablehnen?

Vielleicht ist ein Körnchen von allen drei Einstellungen in uns allen. Und es ist nicht leicht und auch nicht richtig, sich nur an eine zu klammern.  Aber wie gehen wir am besten mit unserer eigenen Identität um, ohne nationalistisch zu werden? Das ist sicherlich nicht einfach, auch der Autor kann da keine allgemeinverbindliche Lösung anbieten.

Fukuyama holt weit aus, geht weit zurück in die Geschichte, lässt vieles besser verstehen. Trotzdem das Thema sehr schwer…

Wir sollen aber endlich darüber nachdenken, wie wir die liberalen Demokratien auf dieser Welt erhalten können. Freiheit ist ein hohes Gut, lassen wir es uns nicht nehmen.

Ein kleine Stelle im Buch fand ich besonders schön. Fukuyama weist auch auf die Einkommensverhältnisse hin. Und er sagt, dass man Menschen, die auf niedriger Stufe stehen, die bettelnd am Straßenrand sitzen, gern eine Spende geben sollen. Aber wir sollten auch nicht vergessen, dass es Menschen sind und ihnen auch mal freundlich ins Gesicht blicken.

Ein hochinteressantes, nachdenklich machendes Buch. Nicht ganz einfach zu lesen – vieles muss immer erst sacken – aber sehr lohnenswert.

 

ISBN 978-3-455-005288

Mehr ‚Infos zum Buch gibt es auf der Homepage von Hoffmann und Campe

Inhalt

In den letzten zehn Jahren ist die Anzahl der demokratischen Staaten weltweit erschreckend schnell zurückgegangen. Erleben wir gerade das Ende der liberalen Demokratie? Der US-amerikanische Politikwissenschaftler Francis Fukuyama, Autor des Weltbestsellers Das Ende der Geschichte, sucht in seinem neuen Buch nach den Gründen, warum sich immer mehr Menschen antidemokratischen Strömungen zuwenden und den Liberalismus ablehnen. Er zeigt, warum die Politik der Stunde geprägt ist von Nationalismus und Wut, welche Rolle linke und rechte Parteien bei dieser Entwicklung spielen, und was wir tun können, um unsere gesellschaftliche Identität und damit die liberale Demokratie wieder zu beleben. »Intelligent und klar – wir brauchen mehr Denker, die so weise sind wie Fukuyama.« THE NEW YORK TIMES »Einer der bedeutendsten Politikwissenschaftler der westlichen Welt.« DIE WELT